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„Sie wird auch die „Stadt der Vogelbeere“ genannt, denn hier findet alljährlich, wenn der Herbst das Erzgebirge
in warme Farben taucht und die Wälder zu leuchten beginnen, die die Stadt einbetten, dass berühmte Vogelbeerfest statt. Lauter, ein Ortsteil von Lauter-Bernsbach, steht ganz im Zeichen der Vogelbeere, so, wie Bernsbach im Zeichen des Bären steht. :-)
Hier gibt es noch einen herrlichen Vogelbeerrundweg, den ich allen Wanderfreunden aus nah und fern empfehlen kann, die Vogelbeer-Apotheke und hier wird auch Vogelbeerschnaps hergestellt. Und natürlich trifft man in diesem Ort, mehr als anderswo, auf den Vogelbeerbaum - die Eberesche, wie sie eigentlich heißt. Und jedes Jahr kommt ein Bäumchen hinzu, denn natürlich wird beim Vogelbeerfest eine Eberesche gepflanzt. :-)
Die Geschichte des Ortsteils Lauter geht bis auf das 12. Jahrhundert zurück. Der Ort entstand urkundlich im Jahr 1159 durch die Ansiedlung fränkischer Bauern, die von West nach Ost zogen und sich ein neues Leben in der Ferne auf einer Höhe von durchschnittlich 480 Metern über dem Meeresspiegel, aufbauen wollten. Insgesamt sollen sich 14 Familien hier niedergelassen haben, die von der alten Handelsstraße aus, die altbäuerliche Westflur rodeten. Das Gebiet gehörte zum Reichslehn der Burggrafen zu Meißen und war Bestandteil des riesigen, dunklen "Miriquidi" - dem Gebirgsurwald. Undurchdringlich, dicht und voller Gefahren durch wilde Tiere wie Bären und Wölfe.
Heute gibt es hier rund um Lauter und der Ortschaft Bernsbach, mit der die Stadt sich 2013 zusammenschloss, ebenfalls noch ausgedehnte Wälder, aber keine Bären oder Wölfe vor denen man sich fürchten müsste. Obwohl - es ist mittlerweile bekannt, dass immer wieder Wölfe durch diese Gegend ziehen. In Lauter wurden oft schon nachweislich welche gesichtet. Die Natur erobert sich alles zurück, wie es mir erscheint.
Die Entwicklung des Ortes Lauter, dass erst 1962 ihr Stadtrecht erhielt und zuvor ein Dorf war, ist eng verbunden mit der damaligen Herrschaft Schwarzenberg. Die erste Dorfkirche wurde um 1250 erbaut. Zuerst war hier die Landwirtschaft prägend. Feldfrüchte wurden nach der Rodung des dichten Waldes angebaut, ebenso Obstbäume. Doch das rauhe Klima, die langen, kalten Winter und die kurzen, nicht einmal warmen Sommer, sowie die harten, lehmigen und steinigen Böden machten es den Bauern schwer und so stiegen sie letztendlich auf etwas Viehzucht um, bevor der Erzbergbau Einzug hielt.
Schlimm traf es die Region und somit auch Lauter, als sie durch die Zerstörung und Verwüstung des Hussitenkrieges, des Bauernkrieges und des Dreißigjährigen Krieges stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Untergang des Bergbaues (Zinnerzgewinnung) im 16. Jahrhundert, die schlechte Witterung, sowie die Missernten verursachten Armut und Hungersnöte, und damit gingen viele Seuchenausbrüche einher, was die Bevölkerungszahl stark schrumpfen ließ.
Im Jahr 1628 entstand eine neue Kirche, die bis in der heutigen Zeit Dreh- und Angelpunkt des Ortes ist. Die Eisenbahnlinie 1858 brachte neuen Aufschwung und 1899 entstand die Heinrich-Heine-Schule, die ebenfalls noch heute steht.
Was als einstiges armes Waldhufendorf am westlichen Hang des Schwarzwassertals begann, von Landwirtschaft, Flößerei und Bergbau geprägt war, entwickelte sich im 19. Jahrhundert geradezu sprunghaft durch seine Industrialisierung. Es entstanden neue Ansiedlungen und die Einwohnerzahl stieg wieder an. Die Mühlen-, Emaille- und Maschinenindustrie hielt Einzug, ebenso die Wäschefabrikation, Korbwarenindustrie und Papierherstellung.
Doch bereits ein Jahrhundert zuvor wurden vom berühmten August des Starken nach Lauter kursächsische Laboranten geschickt, um Fundstellen von Heilkräuter und deren Wurzeln ausfindig zu machen. Ein heilendes Elexier sollte hergestellt werden. Diese Laboranten gründeten zuerst eine Manufaktur, in der sie nach Geheimrezepturen Haus- und Heilmittel herstellten und die in der Region reichen Absatz fanden. Im Jahr 1734 gründeten diese Kräutermänner schließlich die Destillerie "Lautergold" - die heute nicht nur in der Region, sondern weit über die Landesgrenzen hinaus für ihre feinen Spirituosen bekannt ist. Damals sorgte sie für waschsenden Wohlstand in der Bevölkerung. Die Emailleindustrie und die Herstellung der Spankörbe machte Lauter ebenfalls über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Als 1962 das bisherige Dorf das Stadtrecht erhielt, zählte der Ort noch 9500 Einwohner. Heute kommt das beschauliche, saubere Örtchen gerade einmal auf 4400 Bürger - Bernsbach und Oberpfannenstiel nicht mit eingerechnet. Tendenz im freien Fall, wie mittlerweile fast überall. :-/
Durch die äußerst günstige Lage zwischen der Großen Kreisstadt Aue und Schwarzenberg, ist der Ortsteil Lauter als Wohnstandort beliebt. Das jährliche Vogelbeerfest, verschiedene Heimatfeste, Mitmach-Angebote für Kinder, angebotene Wanderungen durch die herrliche Landschaft, der Weihnachtsmarkt und vieles mehr macht den Ort lebendig für alle Einwohner und zieht Touristen magisch an. Das reizvolle Stück Natur im Westerzgebirge ist wie viele kleine Ortschaften hier ein Juwel das entdeckt werden möchte. Die Stadt Lauter-Bernsbach, mit ihrer verkehrsgünstigen Lage mit direkter Anbindung am Bus- und Bahnnetz, ist ein idealer Ausgangspunkt für viele touristische Unternehmungen, Wanderungen und Ausflüge rund um den Ort und Umgebung, wie Bermsgrün, Aue-Bad Schlema, Bockau, Neuwelt und Schwarzenberg. Wem es etwas weiter zieht, dem sei das Skigebiet Oberwiesenthal empfohlen, Carlsfeld und auch die Landeshauptstadt Dresden, oder sogar das benachbarte Tschechien.
Lauter besticht nicht durch großartige Sehenswürdigkeiten, sondern durch das geruhsame Leben, ihrer Gastfreundlichkeit, Schönheit der Natur und ihrer beruhigenden Stille, wie all die anderen kleinen Ortschaften um Lauter herum. Es ist keine pulsierende Stadt, sondern ein Örtchen mit Geruhsamkeit, wo die Uhren noch etwas langsamer ticken - was in der heutigen schnelllebigen Zeit eher selten ist und für Touristen, die genau DAS suchen, hier auch finden, genauso wie im anderen Ortsteil Bernsbach, der sich an einem Südhang schmiegt, während Lauter in einer Talsenke liegt, über dem nach feucht-kalten Nächten der Nebel zieht.
Für mich ein Ort der ganz klar 5 Sterne und ein heimatverbundenes rotes Favoritenherz verdient hat. Kommt, und genießt hier Natur und Ruhe!
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